Gottesdienst endet im Chaos, nachdem sich Besucher erstmalig „frei fühlen“!

Dean Drobot, oneinchpunch, Vladimir Mulder (shutterstock.com)

Stuttgart (tl) – Ein Gottesdienst im bodenständigen Schwabenländle endete kürzlich im Chaos. Offenbar nahmen die Gottesdienstbesucher das Welcome-Team erstmalig beim Wort, das sie dazu aufgefordert hatte, sich jederzeit frei zu fühlen.

Wir treffen Schwester Margaretha Loh, Chefin des Welcome-Teams, am Abend des Ereignisses im verwahrlosten Gottesdienstraum. Die Stühle stehen wie wild im Raum verteilt. Dazwischen liegen Berge aus Kissen und Polster aus den Jugendräumen. Über einigen Rückenlehnen hängen Socken. Margaretha schluchzt. „Viele haben mitten im Gottesdienst plötzlich ihre Schuhe und Socken ausgezogen. Machen sie zuhause wohl auch so. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie das gestunken hat.“ In der ersten Reihe haben die Besucher sogar Handtücher auf den Sitzplätzen ausgebreitet. Margaretha vermutet, dass sich viele wie im Urlaub schon ihren Platz für nächsten Sonntag sichern wollten.

Pastor Flo Skel kommt dazu und legt Margaretha tröstend die Hand auf die Schulter. Doch auch er muss um Fassung ringen. „Damit haben wir nicht gerechnet. Bis jetzt hörten die ja auch nie auf das, was ich sage. Sonst müsste ich ja nicht immer das Gleiche predigen. Damit konnte doch keiner rechnen, dass die uns mal beim Wort nehmen – und dann ausgerechnet an der Stelle.“

Auch er sah sich der hemmungslosen Direktheit seiner Schäfchen ausgesetzt. „Ständig gab es Zwischenrufe während meiner Predigt. Das wäre doch alles Schwachsinn, das würde ich doch selbst nicht glauben, geschweige denn leben. Einige lachten dann immer wieder übertrieben hämisch. Einer rief: ‚In meiner Bibel steht das nicht.‘ Ein anderer spottete laut, das hätte ich doch alles aus einer Tobi-Teichen-Predigt geklaut. Mist. Ich konnte doch nicht ahnen, dass die in ihrer Freizeit auch andere Predigten im Internet hören.“

Um solchen Eskalationen künftig entgegenzuwirken, soll nun ein Arbeitskreis gebildet werden, um neue Begrüßungsformeln zu entwickeln. Schwester Margaretha hat bereits einen Favoriten: „Pass auf, kleines Auge was du siehst. Denn der Vater im Himmel schaut immer auf dich, denn der Vater im Himmel hat dich lieb!“

 

 

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