„idea“-Leser enttäuscht: Kein Olaf-Latzel-Fan-Shop?

Wetzlar (tl) – Das evangelikalen Meinungs-Magazins „idea spektrum“, muss seine Leserschaft enttäuschen: Heiligenbild-Medaillons und wundertätige Stoffreste der Kleidung von Olaf Latzel wird es nicht geben.

Der Bremer Pfarrer hatte am 19.10.2019 Homosexuelle als „Verbrecher“ und „eine Degenerationsform der Gesellschaft“ bezeichnet, was „idea“ innerhalb weniger Monate in 21 (wörtlich: einundzwanzig) ganz- und mehrseitigen Artikeln, Kommentaren und aufwühlenden Breaking News würdigte. („Latzel aus Urlaub zurück!“ z.B. am 26.8.20).

Immer dabei: Ein button-rundes Porträt des gefeierten Coverboys. Das Bild – laminiert in Gold- oder Silberbroschen unter ziseliertem Verschlussdeckel – in einem Fan-Shop anzubieten, sei der Wunsch vieler Leserinnen gewesen, erklärte ein Sprecher des Nachrichtendienstes. Besonders die Krawatte, hinter der Olaf Latzel das Wort „Genderdreck“ gesagt hatte, müsste man doch als Premiummarke in Serie geben können.

Nein, beschwichtigten die Platt-, äh Blattmacher, ihnen selbst ginge es nur um journalistische Kontinuität: Nachdem „idea“-Gründer Helmut Matthies die Altersgrenze erreicht und sich die Karriereleiter hinaufpensioniert hatte – er wurde Vorstands-Vorgesetzter seines Nachfolgers – habe es Verunsicherung unter den Rechtsgläubigen gegeben, ob der Nachrichtendienst das zuverlässig wöchentliche Bischofsbashing und die vertraute AfD- und Pegida-Sympathiewerbung fortsetzen würde. Diese Tradition sei nun mediengerecht gesichert durch die Ikonographie eines genialen Evangelikalen, der Opfer und Held in derselben Märtyrerpose ist, heißt es aus Wetzlar.

Die Verurteilung Latzels zu 8.100.-€ Geldstrafe und das kommende Revisionsverfahren mache die Umwandlung der Zeitschrift in einen Latzel-Fanclub-Newsletter umso sinnvoller.

 

 

8 Kommentare zu “„idea“-Leser enttäuscht: Kein Olaf-Latzel-Fan-Shop?

  1. Endlich greift mal jemand das Thema „Olaf Latzel“ kritisch auf – Danke!!! In IDEA hat er ja mittlerweile schon einen Heiligenschein, seine hetzerische, verletzende, selbstgerechte und keinen Widerspruch duldende Art wird dort leider nicht als Problem wahrgenommen. Auch seine Aussagen zum Thema „Frauen und Gemeinde“ sind kaum zu ertragen und theologisch nicht haltbar, es gibt aber immer noch Anhänger seiner Sichtweisen (sicher auch bei IDEA-Leser und -Leserinnen). Die Fan-Shop-Idee trifft die Sache ziemlich gut!

  2. Tobias Kolb sagt:

    Sehr mutiger Artikel. Latzel wird ja in den Medien durchweg positiv dargestellt, da ist es wichtig wenn einer mal die Courage hat seine Äußerungen zu kritisieren.

    • Dietmar Otte sagt:

      Der wird doch nicht positiv dargestellt! Wo denn? Bei den Leuten von Idea vielleicht. NDR, Welt und Spiegel online haben durchaus journalistisch aufklärend berichtet. Immerhin weiss man woran man bei ihm ist…

  3. Oh, christliche Satire tut so gut. Danke für eure Arbeit! Es ist so erfrischend. Mehr davon!
    Btw diese Pseudo-Christenverfolgung nach dem Motto:“Ich habe auf Facebook Homosexualität kritisiert und Shitstorm dafür geerntet. Ich werde wegen meines Glaubens verfolgt“ geht so auf den Sack…

  4. Hans-Peter Glahs sagt:

    Für mich sind die Predigten von Herrn Latzel schwer erträglich, was nicht nur am Inhalt, sondern auch an Stimmlage und Ausstrahlung liegt

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